Consulting 2.0
Wo stehen wir eigentlich heute mit dem Consulting und wo wollen wir in den nächsten Jahren stehen. Aus den letzten Projekten und den Entwicklungen der letzten
Jahre gibt es IMHO verschiedene Spannungsfelder.
Consulting möchte in der heutigen Zeit viel mehr Projekt Management, mehr Projekt Coaching und mehr Konzeption mit der Fachabteilung machen. Die Tagessätze sind besser und die Aufgaben klingen deutlich Verantwortungsvoller. Der Titel eines Techies scheint immer mehr in den Hintergrund zu treten. Viele der Lösungen die in der heutigen Zeit konzipiert werden, lassen IMHO die neuen Technischen Möglichkeiten ausser acht.
Was heißt für mich Consulting 2.0 und wo sehe ich mein Betätigungsfeld:
Consulting 2.0 ist für Technologie-basiertes Consulting. Fachliche Lösungsideen (Prozess optimierung o.ä) kann nur mit den richtigen Technologien umsetzen. Technologie liefert uns die Bühne und den liefert uns neue Idee für die Lösung von Problemen. Manager die in Word und Excel leben und Lösungen für Probleme suchen sind wichtig, aber woher sollen
sie wirklich innovative Ideen haben…Word und Excel sind ja nicht besonders inspirativ. Die Optimierung eines Prozesses für einen Kunden oder das finden einer Lösung ist definitiv mit dem ausschöpfen der technischen Lösungen verbunden.
In meinen Augen, gibt es zwei Möglichkeiten Technologien zu verwenden. Zum Einen die Möglichkeit ein Early Adopter zu sein und innerhalb der Community und den Kunden aufzufallen durch innovative Möglichkeiten, die neue Perspektiven zur Lösung von Problemen liefern, oder aber Main Stream zu sein und wenigstens das anbieten zu können, was andere Consulting Firmen nun auch schon können.
Die Entwicklung von Software hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert, es sind Themen wie agile Entwicklung, Web 2.0, Socialising und RIAs aufgekommen. Mit klassischen Technologien lassen sich die meisten der Probleme zwar lösen, aber die Innovativen Lösungen werden immer mehr sexy. Gerade im RIA Bereich bewegt sich hier im Moment so einiges. Die Vereinigung von Desktop und Web, die vor 2 Jahren noch als ferne Zukunftsmusik oder mit eher sehr experimentellen Umsetzungen begonnen wurde, gewinnt mit der neuen Plattform von Adobe deutlich an Formen.
Was erwarten unsere Kunden heute ?
Agile Software Entwicklung und die damit verbundenen Prozesse sind für Teams eine must-have. Durch die agileren Methoden kann sowohl auf technische, als auch auf fachliche Probleme und Änderungen schneller und effizienter reagiert werden. Eine total Planung von Projekten, wie es früher immer der Fall war ist bei den meisten Kunden schwieriger, da diese auch keine Ahnung von technischen Möglichkeiten haben. Über Iterationen und Prototyping können hier sowohl fachliche als auch technische Lösungen einem Kunden deutlich schneller näher gebracht werden und ebenso wird vermieden, das Kunden erst nach längerer Zeit feststellen, das man mit den ersten Idee gar nicht arbeiten kann. Was ist überzeugender, als wenn der Kunde seine Ideen sehen und ausprobieren kann ?
Fachabteilungen brauchen Lösungen zum anfassen. Neue Technologien, mit denen es möglich wird schneller und besser zu entwickeln.
Was möchte ich Kunden bieten in den nächsten Jahren:
- qualitativ hochwertige UI, hier zeigt sich im Moment Flex als die neue Plattform die kommen wird.
- agile Teams, die schnell zu vorzeigbaren Ergebnissen kommen und interaktiv mit dem Kunden arbeiten
- Komponentenbasierte Server, OSGi wird hier die Basis werden
- fachliche Lösungen, die zeigen das man sowohl die Probleme des Kunden verstanden hat, als auch die notwendige technische Basis und eine sinnvolle Lösung zu entwickeln
Was erwarte ich von Kunden ?
- Mut zur Lücke. Neue Technologien haben immer Risiken. Allerdings haben auch alte Technolgien ihre Risiken.
- Kommunikationsbereitschaft. Nur wenn man sich kreativ mit den Möglichkeiten und Problemen auseinandersetzt ist es möglich am Ende etwas zu finden, daß das Problem auch löst.
- Und jemand dem das Projekt gehört, dem es wichtig ist das es umgesetzt wird und der auch dafür da ist.
3 Antworten bis hierher ↓
Olaf Teichmann // Juli 30, 2008 um 1:12 |
Interessanter Beitrag und aus meiner Sicht durchaus richtig. Ich versuche will das mal aus meiner Sicht auf den Punkt bringen:
Die zentrale Aufgabe der IT verschiebt sich momentan immer deutlicher in Richtung „Unterstützung der Fachprozesse“. Während noch vor 10 Jahren IT-Projekte allein durch den Einsatz „hochwertigster“ Technologien schon gerechtfertigt waren, wird heute zunehmend vor dem Hintergrund der Geschäftsprozessoptimierung ein kalkulierbarer Mehrwert angestrebt. Gutes Beispiel: In der Projektmanagement-Methodik Prince2 existiert ein Projekt ausschließlich zusammen mit einem Business Case.
Ist Technologie damit unwichtig geworden? Nein, ganz im Gegenteil. Aktuelle Technologien und Methodiken werden mehr denn je gebraucht, aber nicht um ihrer selbst willen, sondern für die bestmögliche Umsetzung der fachlichen Projektanforderungen. In Zeiten von Flex und anderen RIA Technologien bedeutet das, dass für einen hoch interaktiven Client Standard-HTML-Seiten schlicht inakzeptabel sind.
Um jetzt den Bogen zum Consulting zu schließen: Aufgabe des IT-Consulting muss es sein, ausgesprochene und bisher unbekannte Anforderungen der Fachseite zu verstehen, zum anderen die bestmögliche Umsetzung zu garantieren. Möglichst breites technisches Know-How ist dafür eine Grundvoraussetzung. Wer im Enterprise Java Umfeld an den „guten alten“ Oberflächen festhält, lässt den Anwender und seine Wünsche und Anforderungen außer Acht. Besonders im Consulting (2.0) kann der Kunde erwarten, dass Consultants neue Wege aufzeigen.
Die größte Schwierigkeit besteht in der (notwendigen!) Diskussion über den kalkulierbaren „Mehrwert“ von Oberflächendesigns, die über simples „klicki-bunti“ hinausgehen. Vielleicht ist das der Grund, warum im professionelle (Enterprise) Bereich dort noch die eine oder andere Lücke zu füllen ist.
odohmen // Juli 30, 2008 um 1:42 |
Ja, stimme dir da voll zu. Ich denke, das es immer wichtiger wird, gerade durch die sich immer schneller ändernden Technologien, die Technologien und ihre Möglichkeiten im Auge zu behalten. Sonst hat man nicht die richtigen Mittel um die Probleme effizient zu lösen.
Olaf Teichmann // Juli 30, 2008 um 4:26 |
Als Ergänzung vielleicht noch ein Hinweis auf eine Serie von Beiträgen in meinem Blog, in denen ich mir Gedanken über die Zukunft der IT Jobs gemacht habe:
http://olafteichmann.blogspot.com/2008/01/die-zukunft-der-it-jobs-teil-1.html
http://olafteichmann.blogspot.com/2008/01/die-zukunft-der-it-jobs-teil-ii.html
http://olafteichmann.blogspot.com/2008/01/die-zukunft-der-it-jobs-teil-iii.html
Ich versuche darin eine grobe Antwort auf die Frage „Wie entwickeln sich die IT Jobs vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen“.